Daredevil auf Netflix: Die Comic-Vorlagen

Daredevil auf Netflix war ein Riesen-Erfolg. Doch woher stammt die Idee? Wir haben uns für euch die Comic-Vorlagen von Daredevil angeschaut!

Die 13 Folgen der Netflix- und Marvel-Serie Daredevil sind seit dem 10. April online und erzählen neben den altgedienten Origin-Elementen der Figur eine völlig neue Geschichte, die sich aus den besten Daredevil-Storylines der letzten Jahrzehnte bedient.Woher stammt die Kostüm-Idee ? Hat Daredevil auch komische Seiten ? Und warum geht jemand, der sich als Teufel verkleidet, in die Kirche ? Fragen über Fragen, die von grandiosen Autoren wie Frank Miller, Brian Michael Bendis, Kevin Smith und Mark Waid über die Jahre hinweg beantwortet wurden und sich nun auch in der neuen Serie wiedergefunden haben. Eine Übersicht.

Daredevil auf Netflix: Die Comic-Vorlagen

Der Look – Frank Miller

Daredevil steckte in den 80er Jahren in der Krise. Die Figur war bei weitem nicht die beliebteste und stand kurz davor, seine eigene Comicserie zu verlieren bis ein neuer Autor das Ruder übernahm – Frank Miller. Miller schaffte es, der Serie durch gezielte Dekonstruktion des „Helden“ Daredevil und teilweiser Neuorientierung der Nebenfiguren der Serie neues Leben einzuhauchen.

Daredevil hatte eine Zeit lang ein Faible für Knarren - via theothermurdockpapers.com

Daredevil hatte eine Zeit lang ein Faible für Knarren – via theothermurdockpapers.com

Matt Murdocks Vater wurde beispielsweise nicht mehr als die strahlende Vaterfigur dargestellt, sondern als betrunkener Schläger, der Matt öfter auch mal schlug und ihn dadurch erst ermutigte, später Anwalt zu werden und sich für die Schwachen einzusetzen. Trotz allem wurde Daredevil von Miller aber von Anfang an nicht als strahlender, glanzvoller Held in Rot, sondern als Antiheld dargestellt, der Verbrecher und vor allem Superschurken auch gerne die Knochen brach und sie von Hochhäusern warf, nur um mit ihnen danach noch russisches Roulette zu spielen.

Als Gegenentwurf zu Daredevil wurden zahlreiche neue und alte Gegner von Miller eingebaut, wie beispielsweise der Kingpin, der vorher eher zu der Schurkengalerie von Spider-Man zählte. Unter Miller wurden die Ninjas der „Hand“ genauso eingeführt wie die Killerin Elektra und die Verkaufszahlen erholten sich nicht nur, sie führten auch zu einem erhöhten Interesse an Daredevil als Charakter.

Das Kostüm und über weite Teile auch der Look der Serie ist eine Hommage an die Zeit von Frank Millers Daredevil-Run. Von den Ninjas ganz zu schweigen.

Der Glauben – Kevin Smith/Joe Quesada

Kevin Smith, vielen wahrscheinlich bekannt als Silent Bob aus Dogma oder Clerks, schrieb 1998 für die Serie Marvel Knights die Miniserie Guardian Devil und lieferte damit eine der gnadenlosesten Daredevil-Stories der vergangenen Jahrzehnte, bei denen selbst ein Frank Miller bestimmt schlucken musste.

Gut klettern kann er auch - via panelsonpages.com

Gut klettern kann er auch – via panelsonpages.com

Matt Murdock wurde in dieser Storyline gerade erst von seiner langjährigen Freundin Karen Page verlassen und zerbricht daran fast bis er auf ein 15-jähriges Mädchen und ihr Baby trifft, dass sie angeblich jungfräulich empfangen hat. Dies ist nur der Beginn einer wahren Höllenfahrt von Daredevil, der sich gleichzeitig einer Prüfung seines Glaubens und diverser Superschurken unterziehen muss.

Daredevils katholischer Glaube spielt in dieser Miniserie eine zentrale Rolle, da sich aufgrund der Geschehnisse von Gott verlassen vorkommt und seine Rolle als „Teufel“ hinterfragt. Teile dieses Konfliktes finden sich auch in der aktuellen Netflix-Serie wieder, in der Matt Murdock des öfteren den Rat des Reverends sucht.

Das Setting – Brian Michael Bendis/Alex Maleev

Bendis ist seit Jahren eine Institution der Comic-Welt und hat Marvel in den letzten 15 Jahren so gut wie im Alleingang alle großen Serien, Crossover und Ideen zu verantworten gehabt. Die Demaskierung Matt Murdocks und die in weiten Teilen erneute Dekonstruktion des Helden durch Bendis, sowie der sehr erwachsene Ton der Geschichten, die von Alex Maleev großartig umgesetzt wurden, waren eine Bereicherung für Marvel in den frühen 2000er Jahren und sollten Daredevil bis in die heutige Zeit weiter prägen.

Daredevil hatte immer schon einen roten Faden - via tersninja.com

Daredevil hatte immer schon einen roten Faden – via tersninja.com

Das Setting sowie der sehr realistische Ton der TV-Serie was Charaktere und Härte angeht, ist auch in diesem Run von Bendis zu finden, der keine glanzvollen Momente zeigt, sondern die harte Realität von Hell’s Kitchen.

Der Humor – Mark Waid/Paolo Rivera

Mark Waid übernahm Daredevil 2011 und führte den Helden heraus aus der Ernsthaftigkeit und den Depressionen der Bendis-Jahre hin zu einem eher ironischen und humorvollen Helden, dessen Geschichten wieder mehr das Abenteuer und nicht den Abgesang auf das Heldentum feierten.

Augenscheinlich nicht Daredevil - via howtolovecomics.com

Augenscheinlich nicht Daredevil – via howtolovecomics.com

Diesen Humor findet man auch in der Serie an manchen Stellen wieder und ist trotz der ernsten Ausgangslage von Daredevil auch immer ein großer Teil der Figur gewesen, die nicht umsonst mit illustren Gästen wie Spider-Man oder dem Silver Surfer auf einer sehr humorvollen Ebene auskommt und nicht so dirty und gritty beschrieben wird wie in den vorangegangenen Beispielen.

Fazit

Die Netflix-Serie ist somit das Beste aus mehreren Jahrzehnten Daredevil-Geschichte und vereint all diese Einflüsse zu einer Serie, die uns endlich den unsäglichen Film mit Ben Affleck vergessen lassen kann. Nicht vielen Figuren kam diese Behandlung zuteil (hat da jemand gerade Spider-Man gesagt ?) und man merkt, mit wieviel Respekt und Geschick der Teufel von Hell’s Kitchen seine Wiedergeburt im MCU feiern durfte.


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(Header via netflix.com)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.