Die fünf schlechtesten Star Trek: Raumschiff Voyager-Episoden

In der vergangenen Woche beschäftigten wir uns mit fünf Folgen von Star Trek:Raumschiff Voyager, die es in sich hatten und einen Riesenspaß machten, weil sie eigentlich alles hatten: Tolle Dialoge, tolle Stories und tolle Momente. Heute schauen wir mal auf fünf Folgen, die nichts davon hatten und den Zuschauer nur verwirrt vor dem Fernseher sitzen ließ. Zwar ist Voyager trotz ihrer schwammigen Reputation selten ins Fettnäpfchen getreten, jedoch gibt es ein paar Folgen,  die es locker in unsere Worst Five schaffen.

1. Der Fight (The Fight) Episode 5×19

Lasst uns eine Boxer-Folge drehen via voy.trekcore.com

Lasst uns eine Boxer-Folge drehen – via voy.trekcore.com

Fangen wir langsam an: Chakotay gehört nicht gerade zu den Figuren, die man im Laufe der Jahre zu seinen Favoriten gezählt hat. Zu blass blieb der erste Offizier von Captain Janeway, der zwar immer loyal und treu an ihrer Seite stand, aber etwas hilflos wirkte, wenn die Handlung wie in dieser Folge von ihm alleine getragen werden musste. Wahrscheinlich war dies auch den Autoren der Serie aufgefallen und man musste Chakotay ein wenig interessanter machen, in dem man ihm eine Boxer-Folge zurechtschneiderte um zu zeigen, dass er nicht nur eine spirituelle Seite hat, sondern auch zupacken und vor allem zuschlagen kann, wenn es drauf ankommt.

Die Voyager landet im Chaosraum und Chakotay ist der einzige, der es mit den Wesen, die in dieser Raumanomalie leben aufnehmen kann – nur eben in einer Halluzination und im Boxring. Grund dafür ist ein passenderweise ein Halluzinations-Gen, dass bei ihm als Kind unterdrückt wurde und jetzt endlich nützlich wird. Er besiegt die Bewohner des Chaosraums und wir hatten mal wieder Einblick in die dröge Hintergrundgeschichte von Chakotay, die vor Klischees nur so strotzt: Der Großvater, ein Indianer, der der modernen Medizin abschwört und lieber krank wird und ein alter Boxlehrer (der aus TNG bekannte Gärtner Boothby) ziehen diese Folge weit unter den Durchschnitt und machen daraus eine alberne Farce.

2. Die 37er (The 37´s) Episode 2×01

Welch Zufall ! via voy.trekcore.com

Welch Zufall! – via voy.trekcore.com

Zu manchen Folgen kann man leider nicht viel sagen, denn ihre löchrige Handlung steht einfach für sich: Die Voyager findet mitten im All einen 1936er Ford. Verwirrt ? Darf man durchaus sein. Denn nicht nur diesen galaktischen Zufall muss man schlucken, sondern auch die Entdeckung von mehrere in Stase befindlichen Menschen von  der Erde, augenscheinlich aus den 1930er Jahren. Darunter auch Amelia Earhart, die viele Flugrekorde brach, ehe sie mit ihrem Partner Fred Noonan für immer verschwand. Sie waren zwei von 300 Menschen, die von einer außerirdischen Rasse namens Briori entführt worden sind, um als Sklaven für sie zu arbeiten. Warum auch immer die Briori ihre Sklaven in 70.000 Lichtjahren Entfernung machen mussten, bleibt auf ewig ein Rätsel, ebenso warum die Menschen trotz der 400 Jahre Entwicklung so unglaublich dumm sind.

Sie hielten die Eingefrorenen über Jahrhunderte für tot und tragen Anzüge, die sie aussehen lassen wie menschliche Mülltonnen. Sie leben zwar in drei Städten, wie sie sagen, doch bekommt man diese leider nicht zu Gesicht, vielleicht weil es für Captain Janeway nicht unbedingt wichtig ist nach einem Jahr im Delta-Quadranten auf andere Menschen zu treffen. Stattdessen macht man sich, nachdem man herausgefunden hat, dass das Briori-Schiff, dass die Heimreise hätte verkürzen können, zerstört ist, auf den Weg nach Hause und überlässt die Menschen wieder sich selbst. Ein bisschen weniger überstürzt hätte es wahrscheinlich auch getan, aber so eine Folge hat leider nur 40 Minuten.

3. Die Schwelle (Treshold) Episode 2×15

DAS ist dein Gesicht beim Schauen dieser Folge via voy.trekcore.com

DAS ist dein Gesicht beim Schauen dieser Folge – via voy.trekcore.com

Tom Paris hatte es nicht immer leicht auf der Voyager: Als Sträfling an Bord gekommen wurde er von einer Sekunde auf die nächste zum Piloten der Voyager ernannt, zeichnete sich in mehreren Gelegenheiten als grandioser Pilot und vor allem als guter Kollege, Offizier und Freund aus – nur um dann mit dieser Folge einen Schlag in die Magengrube, vor den Kopf und in seine komplette DNA zu bekommen. Aber eins nach dem anderen.

Das Ziel von Tom Paris ist in dieser Folge, die Schwelle, also Warp 10, zu erreichen, um damit der Voyager auf der beschwerlichen Reise nach Hause zu helfen – denn mit dieser Geschwindigkeit ist man zugleich überall und nirgends im Universum und könnte auf direktem Wege nach Hause abbiegen. Selbst in einer Serie, die vieles an unmöglichen, fantastischen und widersinnigen Ideen gebracht hat, wirkt dies unglaublich naiv und billig, vor allem da es nur halbherzig erklärt wird. Dieses magische Ziel will also erreicht werden  und natürlich geht vieles auf dem Weg dorthin schief – aber in welcher Art und Weise dies geschieht bringt diese Folge auf dem schnellsten Weg direkt in diesen Artikel.

Die Schwelle wird erreicht und das Shuttle fliegt Warp 10 – nur mit dem Nebeneffekt, dass Tom Paris‘ DNA sich immer weiter und weiter entwickelt, er nimmt sozusagen die Überholspur auf der menschlichen Evolution und entwickelt sich ohne Pause von Sekunde zu Sekunde weiter und wird langsam wahnsinnig. Er entführt Captain Janeway und führt erneut einen Warp 10-Flug durch. Auf einem nahegelegenen Planeten findet die Crew dann die beiden – sie haben sich Millionen Jahre in die Zukunft weiterentwickelt und sind zu zwei fischähnlichen Wesen geworden, die sich sogar mit einander gepaart haben. Man will es gar nicht glauben, wenn man sich die Folge anguckt und plötzlich beide wieder mit hergestellter DNA vor sich stehen und einfach weiterhin keine innerhalb der Serie logische Erklärung dafür gefunden hat, warum solche Entwicklungen auftreten. Beide sind  gefühlt nach einer halben Stunde Fisch-Sein wieder Menschen und woher sich die DNA die Informationen holt, ein zweites Herz zu bilden oder nur noch Stickstoff zu atmen bleibt unbeantwortet. Ein riesiges Fragezeichen steht hinter einer der fürchterlichsten Folgen der Voyager und sagt uns folgendes: Warp 10 nicht gut.

4. Das Ultimatum (The Thaw) Episode 2×23

Die 90er waren eine verwirrende Zeit via voy.trekcore.com

Die 90er waren eine verwirrende Zeit – via voy.trekcore.com

Bei manchen Episoden muss man sich wirklich fragen, was bei den Autoren herumging, als das Drehbuch durchgesprochen wurde und die Handlung festgelegt wurde. Irgendjemand muss doch gesagt haben. „Hier, ich habe eine Episode geschrieben über einen virtuellen Clown, der Leute umbringt.“ und alle haben entweder nicht zugehört oder nur hektisch genickt. An dieser Folge ist so vieles falsch und so vieles Mist.

Die Voyager empfängt eine Transmission von einem Planeten, auf der fünf Bewohner für 15 Jahre in Stasis versetzt wurden, ehe sie den Planeten wieder besiedeln und neu aufbauen sollten. Es sind jedoch bereits 19 Jahre vergangen und zwei der Insassen dieser Stasekammern sind bereits tot, gestorben an enormem Stress und anschließendem Herzversagen. Ein recht harmloser Start für eine Folge, die zurecht mit zu den schlechtesten der Serie zählt. Als sich B´Elanna Torres und Harry Kim selbst in Stase versetzen lassen, um herauszufinden, was den anderen beiden zugestoßen ist, treffen sie auf einen Zirkus, der von einem Clown angeführt wird. Der Clown stellt sich als personifizierte Angst der in Stase Versetzten heraus und muss von der Crew der Voyager überlistet werden.

Warum muss sich eigentlich eine Sternenflotten-Crew mit sowas herumschlagen? Musste man die Produktionskosten für Raumschiffschlachten gering halten und entschied sich für eine Folge Twin Peaks meets Sternenflotte? Das ist eine von vielen Fragen, die man sich während des Betrachtens dieser Episode stellt. Die überzeichneten Kulissen, Figuren und Dialoge wollen so viel Tiefe suggiereren, schaffen es aber nur, einen unfassbar tief zu langweilen. Beispiel gefällig ?

Wenn Ihre einzige Realität die Illusion ist, dann ist die Illusion die Realität.

Ziemlich deep. Natürlich ist es wie so oft Captain Janeway, die ein Problem wegreden kann und dabei immer noch einen Ass im Ärmel hat, denn sie ist personifizierte Deux ex machina der Voyager. Und das ist sie vor allem in der letzten Folge unserer Liste.

5. Endspiel Teil 1+2 (Endgame Part 1+2) Episode 7×25/ 7×26

Die Hochwasserhosen sitzen perfekt via voy.trekcore.com

Die Hochwasserhosen sitzen perfekt – via voy.trekcore.com

Wenn bei Star Trek-Serien etwas nicht funktioniert, wird häufig die Zeitreisenkeule geschwungen, gerade in finalen Episoden. Ob es die merkwürdigen Zeitsprünge des Captain Picard in der finalen Episode von Star Trek: Die nächste Generation war oder die Holodeck-Show in der letzten Star Trek: Enterprise-Folge – getrickst wird gegen Ende gerne, wenn es der Story dient. Während es bei den beiden genannten Serien sagen wir mal zu relativ zufriedenstellenden Abschlüssen kam, liefert Endspiel ein Finale ab, dass der langen Reise der Voyager nicht gerecht wird und die Serie unzufriedenstellend zu Ende bringt und grobschlächtig abarbeitet.

Die Prämisse der letzten Folgen klingt dabei nicht nur spannend, der Anfang ist sogar noch großartig insziniert. Die Voyager hat es letztlich nach 23 Jahren geschafft – sie ist zurück in den Alpha-Quadranten und zur Erde gekommen. Im Jahre 2403 wird zum zehnten Jahrestag der Rückkehr ein Fest abgehalten, dass diese ernorme Anstrengung feiern und der Menschen gedenken soll, die die lange Reise nach Hause nicht überlebt haben. Neben der mittlerweile zum Admiral aufgestiegenen Kathryn Janeway sehen wir weitere Teile der Crew und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Tom Paris ist ein angesehener Autor von Holo-Romanen, der Doktor hat mittlerweile einen Namen gefunden und eine menschliche Frau geheiratet und Harry Kim hat es nach langen Jahren zum Captain gebracht. Neben all diesen glücklichen Momenten sehen wir aber auch die Schattenseiten, dieser Zukunft. Chakotay ist tot, ebenso Seven of Nine und Tuvok ist in einer psychatrischen Anstalt und bekommt von seiner Aussenwelt nicht mehr allzu viel mit. Um diese Zukunft zu verhindern setzt Admiral Janeway alles auf eine Karte und reist zurück durch Raum und Zeit – und trifft auf die Voyager, die eine Abkürzung nehmen soll. Dank Admiral Janeways fortgeschrittener Technologie und Wissen in einem Bruchteil der Zeit, die die Voyager mit ihr benötigte.

Dies ist die Ausgangslage für das Finale der Voyager und ihre Reise nach Hause. Es ist nicht so, dass viele Aspekte der Episoden toll gespielt sind, aber es gibt Ideen innerhalb dieses Abschlusses, die von merkwürdig über störend bis hin zu überflüssig alle vertreten sind. Merkwürdig ist der extrem lange Vorlauf und der Konflikt mit den Klingonen, die man für diese Folge nun wirklich nicht aus der Mottenkiste hätte holen müssen. Störend ist die plötzlich wie aus dem Nichts aufkeimende Romanze zwischen Chakotay und Seven of Nine, die sich mit Picknick-Decke und Wein treffen, nur um tiefe Fremdschäm-Gefühle zu wecken, wenn sie sich küssen. Ebenso störend ist die Geschichte rund um das Kind von Torres und Paris – völlig unplatziert wirkte diese Schwangerschaft nicht nur im Finale, sondern auch über die gesamte Distanz dieser Idee. Überflüssig sind leider die letzten Minuten dieser doch sehr großartigen Show. Eine der größten Gegner der Föderation, die Borg, werden deklassiert und wirken komplett hilflos, als Admiral Janeway ihre Zukunftstechnolgie auspackt. Ein bitterer Abschied für die einst so gefährlichen Borg. Und dann: Die Voyager ist zu Hause. Alle nehmen dies sachlich zu Kenntnis und dann der magische Satz vom Ende der ersten Folge, der zugleich das Ende einläutet.

„Setzen sie einen Kurs. Nach Hause.“

Und das war es dann. Keine Freudentränen. Kein Konfetti, kein Feuerwerk. Kein Rundflug um das Sternenflottenhauptquartier. Nur die Voyager inmitten von einem Dutzend anderer Schiffe, was nur soviel heißt. Die Voyager ist wieder da. Sie ist wieder eine von vielen. Schade drum.

(Header via wall.alphacoders.com)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.

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