Fear the Walking Dead – Pilot Review

Robert Kirkman kann man aus künstlerischer Sicht nicht viel vorwerfen – neben seiner seit langen Jahren schon laufenden Walking Dead-Comicserie und der dazugehörigen nun ins sechste Jahr gehenden Fernsehserie, kommt bald auch sein neues Comicwerk Outcast ins Fernsehen. Da erscheint es doch verwunderlich, dass Kirkman nun relativ überraschend auch mal ohne Vorlage arbeitet und mit einem mutigen Schritt in seinem eigenen Universum Neuland betritt: Fear the Walking Dead ist das langerwartete Spin-Off der Mutterserie The Walking Dead, dass uns in die Zeit des Anfangs der Zombie-Epidemie katapultiert. Nun ist endlich die Pilotfolge gelaufen und wir fragen uns – hat sich das Warten gelohnt?

Die Serie eröffnet mit Nick, einem Drogensüchtigen, der sich in einer verlassenen Kirche aufhält, die weitaus bessere Tage gesehen hat und undefinierbare Geräusche hört, als er erwacht. Als er nach seiner Freundin Gloria schauen will, sieht Nick wie sich die Frau über eine am Boden liegende Person hermacht, blutverschmiert mit glasigen, kalten Augen. Nick wird panisch und verlässt fluchtartig das Gebäude, rennt über die Straße und wird prompt angefahren. Denn wir befinden uns nicht in der postapokalyptischen Welt von The Walking Dead, zumindest noch nicht – wir sind im quicklebendigen Los Angeles.

In dieser Stadt arbeitet Nicks Mutter Madison an einer High-School als Vertrauenslehrerin, ihr Lebensgefährte Travis ist Lehrer an der gleichen Schule. In der Patchworkfamilie gibt es neben Nick auch noch ihre leibliche Tochter Alicia, die Madison in die Beziehung mitgebracht hat, während Travis einen Sohn namens Christopher hat, der nicht gerade nach Kontakt mit seinem Vater schreit und erstmal nur kurz vorgestellt wird. Der Unfall von Nick und seine Erzählungen über das, was in der Kirche passierte, sind der Einstieg in diese Pilotfolge, die über weite Strecken leider mehr wie ein klassisches Familiendrama daherkommt, was aber auch den wenigen Zombies zu schulden ist, die natürlich noch äußerst selten und sparsam eingesetzt wurden. Dieser Einsatz ist dazu auch noch durchaus clever gelungen, über das Internet verbreiten sich erste Meldungen über eine Seuche, diverse Videos zeigen Menschen, die auch nach Dutzenden Schüssen auf den Körper nicht sterben und so langsam wächst auch in Travis und Madison das Gefühl, dass Nick nicht zwangsläufig Halluzinationen in einem vermeintlichen Drogenrausch hatte, als er in der Kirche zu Beginn der Serie aufgewacht ist. Während sich langsam die Zombies erheben (im wahrsten Sinne des Wortes), bleibt natürlich der Familienkonflikt erstmal das Thema Nummer 1 bei Fear the Walking Dead, statt den Fokus direkt auf die Untoten zu legen.

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Da wird doof geguckt: Die Hauptdarsteller der 1. Folge von Fear The Walking Dead – via cinemablend.com

Die erste Folge nimmt sich dabei ihre Zeit, sie enthält wesentlich mehr Dialoge und Zwischenmenschlichkeiten, als man es aus der Mutterserie bislang gewöhnt war und lässt es ruhig angehen. Dies ist natürlich dem Umstand zu schulden, dass es hier weder eine Vorlage gibt, die man abarbeiten muss, noch besonderen Zeitdruck gibt, bestimmte Punkte durchzujagen wie es teilweise in The Walking Dead der Fall war. In den ersten sechs Folgen von Fear the Walking Dead wird es sicherlich noch genug Spannung und Sprachlosigkeit geben, sollte die Serie inhaltlich der ersten Staffel von The Walking Dead folgen. Die größte Angst dürfte derzeit sein, dass der Fokus zu sehr auf die Teenager gelegt werden könnte, die nicht so ganz überzeugen konnten, Nick stellt dabei eine erfrischende Ausnahme da und trägt die Folge fast vollständig auf seinen Schultern wie es auch ein Rick Grimes hinbekommt.

Was auffällt, ist die sehr hohe Zahl von Szenen, die die Stadt in der Totalen zeigen, auf Menschenmengen, fast so als wolle man direkt hinausbrüllen, dass das Ende der Zivilisation vor der Türe steht. Es wird interessant zu sehen, wie lange die Serie brauchen wird, bis die Zombies auch hier in der Überzahl sind, aber es bleibt zu wünschen, dass dies lange dauert, da man die ganzen Ausmaße einer kaputten Welt bereits kennt und man lieber auf die Ursprünge der Zombies eingehen sollte.

Unser Fazit

Die erste Folge schleppt sich ruhig und bedächtig von einem starken Anfang zu einem starken Ende, fast selbst wie ein Untoter. Dazwischen ist leider nicht viel Besonderes, wäre man böse, würde man sagen, es handle sich um unterdurchschnittliche Familiendramakost mit einigen wirklich schlechten Schockern zwischendrin. Da wir aber bereits durch den Trailer wissen, dass das Überleben bald einen größeren Raum im Leben der Patchwork-Familie einnehmen wird, hoffen wir das beste für die kommenden fünf Folgen. Fear the Walking Dead könnte für The Walking Dead das werden, was Better Call Saul für Breaking Bad bereits ist: Eine neue Sichtweise für alte und neue Fans.

(Header via ehiyo.com)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.

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