The Leftovers – Staffel 1 Review

The Leftovers schien vergangenes Jahr aus dem Nichts zu kommen.Eine neue Fantasy-Serie, vermischt mit Drama-Elementen, fußend auf einer biblischen Idee und das alles von Damon Lindelof, einem der Köpfe hinter Lost, der nach dem großen Erfolg der Inselserie trotz ihres eher bescheidenen Konklusion nicht viel Nennenswertes ablieferte. Basierend auf einem Roman von Tom Perrotta geht es in der Serie um eine zu Anfang stattfindende Entrückung, die 2% der Weltbevölkerung auf einmal verschwinden lässt. Eine Entrückung ist laut theologischen Angaben die Versetzung einer oder mehrerer Personen aus der irdischen in die himmlische Welt und somit hinterlässt das Verschwinden von 140 Millionen Menschen nicht nur Trauer und Entsetzen, sondern auch Verwunderung.

Die Serie setzt drei Jahre nach der Entrückung ein und spielt in Mapleton, einem Vorort von New York. Eine auf den ersten Blick beschauliche Kleinstadt, in der sich aber in den vergangenen Jahren einiges geändert hat. Hauptfigur der Serie ist der Polizeichef Kevin Garvey, der mit seinen zwei Kindern Jill und Tom versucht, ein normales Leben nach dem Ereignis zu führen, dass so vielen Menschen das Weltbild verdreht hat. Leider gelingt dies nur teilweise: Tom folgt einem Guru und Wunderheiler namens Wayne, der ebenfalls auf seine ganz eigene Art und Weise mit den Folgen der Entrückung klar kommt und Jill  lebt zwar noch bei ihrem Vater, steht aber inzwischen aufgrund ihrer Lethargie und Orientierungslosigkeit neben der Familie, statt Teil von ihr zu sein.

Luft anhalten! via hitfix.com

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Die Serie bietet natürlich die typischen Personen auf, die man schon immer in Serien gehabt hat, die in Kleinstädten spielen. Wir haben den Pastor, der vermehrt gegen die Theorie auf die Straße geht, dass die Entrückung nur rechtschaffene Menschen in den Himmel gebracht hat, indem er die Verbrechen von Verschwundenen offen anspricht, die Bürgermeisterin, die einige Zusammenstöße mit ihrem Polizeichef durchlebt und natürlich auch andere Kleinstadtbewohner, die mehr oder weniger von der Entrückung betroffen waren. Sie alle wehren sich gegen die vermehrten Provokationen der Guilty Remnant, einer Sekte, der auch Kevin Garvey´s Frau Laurie beigetreten ist. Die Ziele der Guilty Remnant werde nur nach und nach deutlich, zu vage sind lange Zeit ihre Absichten und innere Struktur. Sie sehen sich selbst als Sünder, als unwürdiger Rest einer verkommenen Menschheit und tragen nur noch das Nötigste, weiße Kleidung, rauchen Kette und sprechen nicht mehr. Sie leben in großer Zahl zusammen und gewinnen immer mehr neue Mitglieder dadurch, dass sie potentielle Mitglieder bis ins Unermessliche stalken und werden von einer charismatischen Frau namens Patti angeführt, die den Konflikt mit den Bürgern der Stadt Mapleton sucht. Das dieser Konflikt natürlich irgendwann eskalieren wird ist einer der dicken roten Fäden der ersten Staffel.

Natürlich ist die Hauptfigur ein Cop via sky.de

Natürlich ist die Hauptfigur ein Cop via sky.de

Das ist die grobe Ausgangslage für The Leftovers, das bereits in der ersten Folge sehr schwermütig, orientierungslos und trist daher kommt, wobei dies als Lob zu verstehen ist. Die Serie will es sich nach Aussage von Autor Damon Lindelof nicht zur Aufgabe machen, das Mysterium hinter dem Verschwinden der Menschen zu lösen, sondern will sich mit den Folgen ihrer Entrückung beschäftigen. Ein großer Pluspunkt wenn man bedenkt, wie viele Serien ein Mysterium an den Anfang stellen, dass gegen Ende immer eher schlecht als recht aufgelöst wird – Damon Lindelof hat anscheinend dazugelernt. Und nicht nur das: Es gelingt der Serie von der ersten Folge an,  eine Fülle an interessanten Charakteren zu zeigen, die erforscht werden möchten, denn die Möglichkeiten, mit so einem Ereignis umzugehen sind zahlreich.

Menschen schließen sich Sekten an, versuchen ihr altes Leben krampfhaft zu erhalten oder verlieren komplett den Halt, sodass die Handlungen aller Figuren die erste Staffel über immer nachvollziehbar und logisch wirken. So macht man sich zusammen auf die Reise mit den tief getroffenen Menschen von Mapleton und der Frage, wie es weitergehen kann mit einem Leben, in der die Übernatürlichkeit nachgewiesen, aber nicht greifbar erscheint. Die Dialoge von The Leftovers sind exzellent geschrieben, die Figuren wachsen einem sehr schnell ans Herz und es gibt wenige von ihnen, die keine sinnvolle Einordnung in die Geschichte haben, während sich die Serie von Folge zu Folge immer stärker entwickelt. The Leftovers bietet dabei über die gesamte Staffel von 10 Folgen eine sehr hohe Qualität und liefert ein Finale ab, dass der Höhepunkt einer emotionalen Achterbahnfahrt ist, die man so vielleicht selten im Fernsehen gesehen hat. Viel Schlechtes bis auf die natürlichen Längen von gewissen Handlungsbögen kann man der Serie nicht vorwerfen, hier passt fast alles zusammen.

The Leftovers ist eine der bedrückendsten und hoffnungslosesten Serien seit langer Zeit und schafft es gerade deswegen so gut, die Tristesse dieser gebeutelten Figuren so unglaublich perfekt einzufangen und stellt eine Ausnahmeerscheinung in der Serienlandschaft dar. Vor dem Start der zweiten Staffel im Herbst auf jeden Fall ein Geheimtip, wenn man eine fesselnde und spannende Serie sehen möchte.

(Header via hbocanada.com)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.

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