The Walking Dead – Staffel 5

The Walking Dead stellt die Geduld seine Zuschauer mit jeder Staffel wieder neu auf die Probe. Dies liegt nicht an einer unglaublichen Komplexität der Geschichte oder dem schwierigen Background der Figuren – es ist eher die Figurendynamik und die Inszenierung, die einem oftmals die Fragezeichen auf die Augen treibt. Jede Staffel wechseln sich Episoden, die wunderbar in Szene gesetzt und rund erzählt wurden mit Episoden ab, die grausame Lücken in der Umsetzung der erfolgreichen Comic-Serie und der darin enthaltenen Figuren aufdeckt.

Terminus – Der Einstieg

Geile Groupshots sehen anders aus - via hollywoodreporter.com

Geile Groupshots sehen anders aus – via hollywoodreporter.com

Das große Staffelziel von Staffel 4 war es für die Figuren, Terminus zu erreichen, um endlich eine, wie versprochen, sichere Zuflucht zu haben, in der man endlich sicher wäre. Der Cliffhanger entliess den Zuschauer atemlos in die Sommerpause und die neue Staffel ging ohne Spannungsverlust direkt weiter, wo sie aufhörte. Terminus wird allerdings in Windeseile abgehandelt, nachdem man sehr eindringlichen Rückblenden, sehr drastische Darstellungen der Lebensweise der Terminiten und einen wunderbaren Showdown in der Kirche von Gabriel bekommt. Abseits der Vorlage hätte man hier eventuell eine größere Bedrohung aufbauen können, die hier sehr schnell beiseite geschafft wird.

Gabriel und die Kirche – Der lange Atem

Peter Gabriel wäre eine coolere Figur gewesen - via media.pennlive.com

Peter Gabriel wäre eine coolere Figur gewesen – via media.pennlive.com

Die Figur des Gabriel ist für den Zuschauer in der Staffel bereits in den ersten Episoden seines Erscheinens fertig gezeichnet. Man kann sich bereits vorstellen, was für einen Menschen wir hier vorgesetzt bekommen und was er getan hat. Für spätere Entwicklungen schleift man ihn aber irgendwie mit durch, ohne überhaupt auch nur eine Ecke abzuschleifen. Dadurch zieht sich dieser Teil der Staffel trotz der guten Leistung des Hauptcast und des packenden Status Quo ein wenig mehr als nötig, während die Hauptfiguren in Stellung Richtung Atlanta gebracht werden.

Beth – Die Hoffnungsträgerin

Alle hassen Noah, nur Beth nicht - via yellmagazine.com

Alle hassen Noah, nur Beth nicht – via yellmagazine.com

Was passiert denn in Atlanta? Beth ist nach dem Terminus-Run Dreh- und Angelpunkt kommender Episoden, da sie durch ihre Entführung in der zweiten Episode nun an einen neuen Ort innerhalb der Serie gelangt. Ihre Geschichte im Krankenhaus von Atlanta bringt frischen Wind in die Serie. Der Schauplatz und vor allem das System, in dem im Krankenhaus gelebt wird (Menschen, die gerettet werden, stehen in einer Art Schuld und müssen diese abarbeiten) zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn sie überleben müssen. Nach den extremen Methoden der Terminiten kriegt man hier direkt eine andere Form des Zusammenlebens präsentiert, die wie die Lebensweise der Terminiten ebenfalls unmenschlich ist, aber zu funktionieren scheint. Beths Interaktion mit Officer Dawn und dem Arzt Dr. Edwards ist dabei ebenso großartig insziniert wie auch die Beziehung zu Noah, der wie Beth auch in einer „Schuldspirale“ feststeckt und fliehen möchte.

Die Überschneidung ihrer Geschichte mit Carol und Daryl, die sich langsam dem Krankenhaus nähern und auf Noah treffen, passt hervorragend in die aufgeheizte Stimmung zur Hälfte der Staffel und mündet in einem sehr guten Mid-Season-Finale, dass die Fans der Serie allerdings sehr radikal in die Winterpause schicken wollte. Die Figur mit dem größten Potential innerhalb der Serie, Beth wird getötet und ist neben Bob, der zu Beginn der Staffel verstarb, ein Charakter, der vor allem von Optimismus, statt des übergreifenden Realismus eines Rick Grimes oder eines Daryl geprägt war.

Die Erwartungshaltung des Showdowns im Krankenhaus wurde komplett umgedreht – statt einer gewalttätigen Auseiandersetzung mit dem Krankenhauspersonal, einigte man sich schlussendlich friedlich. Eine richtige und wichtige Wendung trotz des verschwenderischen Umgangs mit Beth.

Nach dem Mid-Season-Finale – Das lange Gähnen

Hat jemand seinen Hammer gesehen ? - via amcnetworks.com

Hat jemand seinen Hammer gesehen ? – via amcnetworks.com

Die Serie machte mit ihrem Wiedereinstieg nach der Pause den Eindruck, als sei sie noch nicht bereit, weiter zu laufen. Die ersten beiden Folgen des neuen Jahres wollten die Serie entschleunigen und gleichzeitig weiter aufräumen, doch man langweilte sich schnell durch unglaubliche Längen und erzählerische Fauxpas. Allein die Szene, in der man Tyreese sterben sieht, findet den richtigen Ton, der Rest des Einstieg wurde komplett verpasst. Es wird einmal mehr klar, dass sie Serie die Figuren bestraft, die eigentlich nichts Böses in sich haben. Wie im echten Leben, kommen die Arschlöcher innerhalb der Serie immer weiter. Hier wäre es erfrischend gewesen, aus dieser Routine ein wenig auszubrechen und auch Charaktere zu bestrafen, die es zu dem Zeitpunkt „verdient“ hätten.

Alexandria – Der Schlussakt der Staffel

"Ist das Captain Janeway ?" - via ew.com

„Ist das Captain Janeway ?“ – via ew.com

Gerade als die Serie sich in Anektdoten und Ideenlosigkeit flüchtet, taucht mit Aaron und der scheinbar sicheren Zuflucht Alexandria endlich der langersehnte Story-Ark auf, auf den die Staffel lange abzielte. Die neue Umgebung und die Konzentration auf neue Gefahren, die inmitten der friedlichen Gesellschaft von Alexandria warten, erfrischten die Serie aufs Neue und gaben neue Impulse, was viele Figuren wie Rick, Carol, Glenn und selbst Carl betraf, während andere Figuren wie Sasha, Gabriel oder Abraham eher eine untergeordnete Rolle spielten, zumindest bis zum Finale der Staffel.

Der große Fehler der Staffel offenbart sich dann aber leider im viel zu schnellen Abfeiern der Alexandria-Geschichte, in der eine Figurendynamik gezeigt wird, die von glaubhaft bei einen bis hin zu unglaubwürdig bei anderen Figuren in nur wenigen Sekunden schwankt. Die Dynamik zwischen Rick und Jessie ist ein Beispiel dafür – zwar ist es nachvollziehbar, dass der betrunkene Gatte eine Gefahr darstellt und sich die beiden verbunden fühlen – es ist allerdings völlig verrückt, in welchem irren Tempo hier der Konflikt her musste, weil das Ende der Staffel naht und wieviele Schauplätze noch aufgemacht werden mussten. Letztlich soll es dies aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein versöhnliches Staffelende ist, das zwar nicht mit der Intensität des vergangenen Jahres zu vergleichen ist, aber dennoch irgendwie das fünfte Jahr stark zu Ende bringt.

Unser Fazit
Über viele Teile der Staffel weiss die Serie weiterhin zu gefallen und selbst das Finale zeigt einmal mehr, dass The Walking Dead – und man verzeihe mir den Wortwitz – nicht tot zu kriegen ist. Die drohende Gefahr durch die „Wölfe“, die Rückkehr von Morgan und die neue (mögliche) Ausgangslage mit Rick als Chef von Alexandria gibt einem das Gefühl, das The Walking Dead nach langen Jahren doch nun endlich angekommen ist. Das macht Hoffnung auf eine sehr gute sechste Staffel, die allerdings weniger Längen und Hänger haben sollte.

(Header via netflix.com)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.