Was haben Microsoft, Nintendo und Sony auf der E3 2015 präsentiert?

Jedes Jahr auf ein Neues versammeln sich in den USA die größen der Videospiel-Branche auf der Electronic Entertainment Expo (E3) um ihr neues Hab und Gut anzupreisen. Auch in diesem Jahr war es wieder soweit und sowohl die Hersteller als auch Entwickler hatten einiges im Petto um Hände schwitzig werden und Augen tränen zu lassen.

Was die großen Aufreger in allen Lagern in diesem Jahr waren, haben wir für euch einmal zusammengefasst in unserem großen E3-Special: Von Nintendo über Sony bis hin zu Microsoft haben wir alle großen Hersteller abgegrast. Den Anfang macht Videospiele-Großvater Nintendo!

Quo vadis, Wii U? Nintendo und das Innovations-Problem

2015 ist das Jahr in dem das Urgestein für Nintendos weltweiten Erfolg Jubiläum feiert: Super Mario Bros. feiert seinen 30. Geburtstag. Da müsste man eigentlich mit einem Feuerwerk an neuen Titeln für alte Franchises aufwarten, oder? Müsste man meinen. Muss man aber nicht machen, hat sich wahrscheinlich Nintendo gedacht.

Die E3 2015 war für Nintendo-Fans definitiv bis auf wenige Ausnahmen kein Grund für überschwängliche Freudentaumel: Zwar zeigte Nintendo mit Star Fox Zero einen neuen Titel für die Wii U, der ein beliebtes Franchise, aber ansonsten präsentierte man sich wenig mutig. Mit dem Mario Maker kommt eine weitere nette Spielerei auf den Markt, die Mario-Fanboys und -girls wahrscheinlich etwas länger beschäftigen kann, aber ansonsten nur ein Little Big Planet für Nintendo ist.

Auch wenn Nintendo bereits vor der E3 ankündigte, dass sie bis zum nächsten Jahr kein Wort zur neuen Konsole NX verlieren möchten, hätte man dafür die aktuelle Konsolengeneration mit guten Titeln pushen können. Neben Star Fox Zero gab es ansonsten noch Xenoblade, ein Japano-RPG, das zwar Potential hat ein gutes Spiel zu werden, aber alleine nicht die Reputation der Wii U als Durchlaufkonsole bis zur NX retten kann. Nicht, dass Nintendo kein heißes Eisen dafür im Feuer hätte: Immerhin wurde Zelda Wii U schon vor längerem angekündigt, aber mit nicht einem Wort auf der E3 2015 erwähnt.

Stattdessen bekamen Zelda-Fans zwei maue Titel für den 3DS: Neben einer Portierung von Hyrule Warriors Legends für den 3DS, kommt auch noch Tri Force Heroes daher. Ein Titel, der im Coop-Modus drei Spieler gleichzeitig Puzzle in Dungeons lösen lässt – da bietet das Zelda-Franchise eindeutig mehr Material um interessante Spiele zu produzieren. Metroid-Fans wurden noch schlimmer behandelt und mit einem Coop-Shooter abgespeist, der nicht einmal grafisch sonderlich interessant war.

Zum Glück für Nintendo-Fans muss man die E3 hier noch nicht schließen, denn neben einer ganzen Menge neuen amiibos und DLC-Ankündigungen für Smash Bros., gab es auch einen ganz besonderen Titel, der bei vielen Leuten auf dem Wunschzettel stand und bei dem Nintendo endlich wieder beweisen könnte, dass sie nicht umsonst für viele Leute DAS Synonym für Videospiele sind. Mit Mario & Luigi Paper Jam für den 3DS präsentierte man den neuesten Titel in der Paper Mario-Reihe.

Mario & Luigi Paper Jam präsentierte sich im ersten Trailer als Nintendo-typische Variation von Innovation: Wir nehmen ein bekanntes Genre und setzen noch eins oben drauf. Was Titel wie Smash Bros. oder Luigi’s Mansion geschafft haben, steht nun wohl für die Paper Mario-Reihe an. Mit einer Mischung aus Runden- und Echtzeitkampf schlagen sich hier 2D- und 3D-Versionen der Nintendo-Helden Seite an Seite durch ein Abenteuer. Ob das ganze der Erfolg wird, nachdem er aussieht, bleibt abzuwarten – für die Verkaufszahlen des 3DS kann es sich nur weiterhin positiv auswirken.

Was sich für die Wii U nur hoffen lässt: Große Titel werden hierfür momentan nicht produziert. Nintendo scheint mehr oder weniger sein Hauptaugenmerk auf den 3DS und amiibos gelegt zu haben. Ob sich das nach dem Release von Zelda Wii U ändern wird, bleibt abzuwarten. Momentan müssen sich Wii U-Besitzer nach der diesjährigen E3 etwas stiefmütterlich behandelt fühlen – auch wenn man hier mit Titeln wie Splatoon, Yoshi’s Wooly World und Smash Bros. Wii U auf sehr hohem Niveau meckert.

Sony schlägt alles: Große Namen und kleine Handhelds

Schon der Trailer zu Beginn von Sonys Pressekonferenz auf der E3 machte klar: Klein gibt es in diesem Jahr nicht – groß und größer sind die Adjektive mit denen man in diesem Jahr arbeiten will. Und man fackelte auch nicht lange: Direkt als erstes präsentierte man das erste Gameplay-Video des seit Ur-Zeiten schon fast totgeglaubten neuen Spiels von Team ICO – The Last Guardian.

Auch wenn wir schon in einem Beitrag einige Worte über The Last Guardian verloren haben, kann man hier ruhig noch einmal eine Sache wiederholen: Sony unterstützt mutig ein Projekt, dass etwas abseits vom Mainstream Spieler begeistert, die sich weniger von Wahnsinns-Grafik als von großartigem Gameplay und dichter Atmosphäre überzeugen lassen. Ob The Last Guardian letztendlich überzeugt, kann man nur hoffen, dennoch ist dieser Schritt von Sony ein großer in Richtung Gaming-Community.

Ein weiterer Schritt in Richtung Innovation hat man mit der Akquisition des faszinierenden No Man’s Sky gemacht. Anders als gedacht wird dieses auch für Konsolen-Spieler erhältlich sein – und zwar exklusiv für Playstation 4.

Wer bis jetzt noch nichts von No Man’s Sky gehört hat: Hinter dem relativ nichtssagenden Titel verbirgt sich eines der aktuell ambitioniertesten Gaming-Projekte der letzten Jahrzehnte. Dabei ist die Prämisse simpel: Schnappt euch euer Raumschiff und geht auf Entdeckungsreise. Anders als bei anderen Spielen, ist diese Reise jedoch nicht nach 20 oder 100 Planeten abgeschlossen. No Man’s Sky wartet mit einem schier endlosen Arsenal an Planeten, die der Spieler vollends entdecken kann.

Keine Zwischensequenzen zwischen Weltraum, Orbit und Landung, kein Planet gleicht dem anderen: Laut Entwicklern soll es fünf Milliarden Jahre in Echtzeit dauern um wirklich ALLE Planeten im Spiel entdeckt zu haben. Und überall gibt es etwas zu tun: Neue Arten entdecken, Weltraumschlachten führen oder einfach nur Ressourcen sammeln. No Man’s Sky könnte eines der besten Spiele dieses Jahrzehnts werden – und wurde dabei gerade einmal von einem unbekannten Indie-Entwickler namens Hello Games mit einer Handvoll Entwicklern geschaffen. Qualität über Quantität, liebe Großentwickler.

Doch auch die großen Namen durften bei Sony auf der E3 nicht fehlen. Neben den obligatorischen Sequels großer Franchises wie Call of Duty: Black Ops 3, Street Fighter 5 und dem neuen Hitman, wurden erfolgreiche Spielekonzepte weitergeführt wie das doch sehr nach Standard-Action-Adventure-Kost aussehende Horizon Zero Dawn mit Robotertieren und Pfeil-und-Bogen-Jagd. Ein weiterer großer Name auf der E3 war Uncharted und auch hier ließ sich Sony nicht lumpen erstes Gameplay von Uncharted 4 zu präsentieren. Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel von uns.

Eindeutig den größten Einschlag machten jedoch die Ankündigungen von zwei Titeln: Einem richtigen Remake von Final Fantasy 7 sowie Shenmue 3. Zwar wurde außer einem vorgerenderten Trailer zu Final Fantasy 7 nichts gezeigt, aber allein die Ankündigung sorgte bei vielen Anwesenden völlig zu Recht für Gänsehaut. Shenmue 3 wurde hingegen mit einem richtig umfassenden Trailer präsentiert, der die Historie des Franchise noch einmal aufarbeitet. Via Kickstarter-Kampagne wollen die Entwickler Shenmue 3 möglich machen – weitere Infos findet ihr hier.

Alles in allem muss man sagen, dass Sony auf der E3 von allem wirklich nur die Filet-Stücke geboten hat: Sowohl zum Thema Innovationen im Gameplay als auch Franchise- und damit Fan-Service ließ man einige Korken knallen. Auch wenn man das Handheld PS Vita sehr stiefmütterlich behandelte und nichts neues zum Virtual Reality-Projekt Morpheus zeigte, darf man bei Sony völlig zu Recht weiterhin mit dem Slogan This is for the players hausieren gehen.

Microsoft zeigt die Zukunft, ein paar olle Kamelen und setzt auf starke Indies

Microsoft hat in den letzten Jahren mit der Xbox 360 einige starke Franchises gebildet und mit Halo ein eigentlich krisensicheres Spiel stets im Petto. Auch auf der diesjährigen E3 schien man genau darauf zu setzen: Neben Gears Of War 4 präsentierte man stolz Halo 5: Guardians. Doch auch wenn die Ankündigung von Gears Of War 4 eine Überraschung war, war sie nicht die größte auf der E3: Viele Fans konnte Microsoft mit der längst überfälligen Ankündigung glücklich machen, dass die Xbox One ab Weihnachten Rückwärtskompatibilität für Xbox 360-Spiele anbieten wird.

Neben einer Übersicht einiger großer Titel wie Dark Souls und The Division fiel vor allem eins auf: Exklusive Xbox One-Titel muss man als Fan mit der Lupe suchen. Neben Halo und Gears Of War zeigt Microsoft noch mit Rise Of The Tomb Raider einen Titel, der zumindest in diesem Jahr exklusiv auf der Xbox One erscheinen wird – Ende nächsten Jahres dann aber schon für die Playstation 4.

Wahrscheinlich genau aus diesem Grund präsentierte man bei Microsoft verstärkt einige sehr interessante Titel aus dem Indie-Bereich. Grafisch am auffälligsten präsentierte sich dabei das sehr bunte Cuphead, welches Kult-Potenzial wie Meatboy zu haben scheint.

Aus dem Bereich Fan-Service kommt ganz klar das Gaming-Paket von Entwickler-Riese Rare: Mit dem Rare Replay bringt man über 30 der beliebtesten Titel der letzten Jahrzehnte auf die Xbox One. Neben Knallern wie Banjo-Kazooie darf man sich auch über ewige Klassiker wie Battletoads freuen – und das zu einem wirklich günstigen Preis von 29,99 US-$.

Am beeindruckendsten von allen Herstellern präsentierte sich Microsoft jedoch im Bereich Peripherie: Zwar gab es einen interessanten neuen Controller für Pro-Gamer zu sehen, doch wirklich zukunftsweisend war die Präsentation der Hololens mitsamt Minecraft. Mit einer Art Co-Op präsentierte man mehrere Minuten lang, was im Bereich Augmented Reality alles noch möglich ist und als Spieler kann man nur hoffen, dass neben Minecraft in den nächsten Jahren noch einige spannende Projekte realisiert werden können.

Alles in allem präsentierte Microsoft sich sehr solide auf der E3 in diesem Jahr. Auch wenn man nicht ganz so punkten konnte wie Sony, darf man sich als Xbox-User nicht darüber beschweren, dass nicht genug interessante Spiele released werden. Auch und vor allem im Indie-Bereich gibt es einige Titel, die lohnenswert sind: Sowohl Cuphead als auch das mit einer interessanten Welt aufwartende Ashen und das zugegebenermaßen nicht wirklich Indie-Spiel recore bieten interessante Welten, die Potenzial für langen Spielspaß in sich tragen. Am meisten wusste jedoch die Hololens zu beeindrucken. Sollte sich noch jemand fragen, wo die Zukunft im Gaming liegt: Virtual und Augmented Reality sind die Antwort.

Unser Fazit zur E3 2015

Egal ob Fanboy oder nicht: In diesem Jahr sorgte die E3 für Jubelstürme in allen Lagern. Auch wenn rein objektiv einige Entwickler (wir sehen in eure Richtung Nintendo) sich etwas stiefmütterlich um Innovationen gekümmert haben, ist der Fanservice immens gewesen. Vor allem Sony überzeugte mit lang ersehnten Titeln während uns Microsoft mit der Hololens zumindest schon mal eine mögliche Richtung für das Gaming der Zukunft zeigte. Jetzt heisst es dranbleiben: Ob wirklich alle Projekte, die so feierlich angekündigt worden sind, am Ende das Produkt ergeben, dass sich Fans momentan wünschen? Wir dürfen hoffen. Und das tun wir bis zum bitteren Ende – oder der nächsten E3.

(Header via gunshyassassin.com, Videos via YouTube)

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Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.

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