The Force Awakens: J. J. Abrams‘ Film wird nicht, das was Fans denken – und warum das gut ist

George Lucas und J. J. Abrams: Unterschiedlicher könnten die Visionen von Star Wars nicht aussehen. Jamie hat sich mit beiden Varianten auseinandergesetzt und ist sich sicher: J. J. Abrams‘ Film wird nicht das, was Star Wars-Fans erwarten – und das ist gut so!

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es die schlimmste Nachricht für Star Wars-Fans überhaupt: Das Expanded Universe ist tot. Im selben Atemzug verkündeten die Verantwortlichen aber auch, dass Episode 7 von niemand geringerem als Lost-Regisseur J. J. Abrams gedreht wird.

Seitdem gibt es endlose Diskussionen unter Fans wie der neue Star Wars-Teil wird und was zu erwarten ist. Jamie hat sich mit dem Thema befasst und tut euch hier seine Meinung kund!

Warum The Force Awakens aussieht wie ein Fan-Film – und warum das etwas Gutes ist!

Die Generation geboren in den 1980er-Jahren, aufgewachsen in den 90er-Jahren, könnte popkultureller kaum geprägt sein: Keine Generation wurde so massiv der bunten Quietschwelt aus Merchandise, Fan-Kult und neuen Franchises ausgesetzt, wie die Generation Nickelodeon & Co.

Wer sich dann noch an sein erstes Mal Star Wars als Kind erinnert, hat vor allem eines vor dem geistigen Auge: Fantastische Welten in denen Gut und Böse klare abgegrenzt sind, epische Raumschlachten stattfinden und ein Universum geschaffen wurde, die grenzenlos ist.

Wer als Teenager dann Episode 1 bis 3 in der Zeit von 1999 bis 2005 in den Kinos gesehen hat, wird sich an eine Geschichte erinnern, die zwar von Mängeln geprägt war, aber dennoch weiterhin mit einem faszinierendem Universum punktete und tolle neue Charaktere einführte (und Jar-Jar Binks).

Retrospektive: Star Wars lebt von Nostalgie

Doch jetzt mal Real Talk und Hand aufs Herz: Wer hat sich danach noch die Filme mit der gleichen kindlichen Faszination angeschaut wie damals? Wer kann sich davon frei reden mit seinem erweiterten Wissen des Expanded Universe seine Ansicht der Filme verändert zu haben? Oder für die, die das Expanded Universe nicht (gut) kennen: Wem kamen die Filme nach dem erstmaligen Sehen nicht doch etwas platt vor?

Das Problem an der Sache: George Lucas und seine Vision eines modernen Space-Märchens. Wer sich den wirklich ersten Trailer zu Star Wars (damals noch ohne Episode IV oder A New Hope), erkennt, was Lucas‘ wirkliche Intention war: Die Schaffung einer Geschichte, die wie die frühen Abenteuer von Flash Gordon oder Buck Rogers Märchen-Elemente in eine Welt voller Sci-Fi-Technologie steckt.

https://www.youtube.com/watch?v=oaHXIIyd8nM

Im Zuge des bahnbrechenden Erfolgs von Star Wars erkannte George Lucas wahrscheinlich das Potential um die Star Wars-Saga und schuf eine immer noch andauernde Lüge: Lucas hätte die gesamte Saga von Anfang an mindestens als Trilogie geplant.

Mit diesem Mythos räumt Gary Kurtz, unter anderem Autor der Drehbücher zu Star Wars Episode IV und Episode V, kurzerhand auf:

For Kurtz, the popular notion that “Star Wars” was always planned as a multi-film epic is laughable. He says that he and Lucas, both USC film school grads who met through mutual friend Francis Ford Coppola in the late 1960s, first sought to do a simple adaptation of“Flash Gordon,” the comic-strip hero who had been featured in movie serials that both filmmakers found charming. (via herocomplex.latimes.com)

George Lucas‘ angebliche „Vision“ eines großen Star Wars-Universum war nur auf eins ausgelegt: Merchandise-Verkäufe. Nach dem großen Erfolg der Trilogie zwischen 1977 und 1983, dem Release-Jahr von Die Rückkehr der Jedi-Ritter, eroberte Lucas und seine Armada von Spielzeugen den gesamten Markt und verkauften dort von Spielzeugfiguren über Plüschtiere bis hin zu Brotdosen und T-Shirts alles, was mit einem Star Wars-Logo versehen werden konnte.

Episode 1: Eine dunkle Bedrohung für Fans und das Star Wars-Universum

Fast Forward 1999: George Lucas entscheidet nach 16 Jahren, dass es Zeit wird die Vorgeschichte der ersten Trilogie zu erzählen. Episode 1: The Phantom Menace wird geboren.

https://www.youtube.com/watch?v=bD7bpG-zDJQ

Doch wo die erste Trilogie noch vom Gründergedanken eines modernen Spacemärchen a la Buck Rogers erst ab Episode 6 storytechnisch von der Merchandise-Masse erschlagen wurde, wird die komplette Prequel-Trilogie zum Plastik-Horror.

Durchzogen von einer unheimlich dünnen Story, die von CGI durch das Weltall getrieben wird, und vor hohlem Dialog und einer Masse an Charakteren nur so strotzt, sind die Filme ein Negativ-Beispiel an Fan-Service – jedenfalls wenn man über 18 Jahre alt ist.

Während sich junge Menschen an den Unmengen an neuen Spielzeugen und Merchandise-Artikeln erfreuen durften, waren Fans älterer Generation bereits damals schwer von Lucas‘ neuestem Werk enttäuscht – und flüchteten sich in das massiv ausgeweitete Expanded Universe.

Das Expanded Universe, entstanden aus einem Strang an Nebengeschichten in Büchern und Comics, war das, was das Fan-Universum von Star Wars erst wirklich groß werden ließ: Mit einer unzählbaren Menge neuer Geschichten und Charakteren, die unabhängig vom Merchandise erfunden wurden, konnten Fans sich endlich wieder in modernen Space-Märchen abseits von CGI-Reptilien und Plastikbechern stürzen.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=VUm0Lo6DL-E

Der Tod des Expanded Universe und die Geburt von etwas Neuem

In den neuen Geschichten wurden Fantasien von Fans für Fans ausgelebt: Von einer neuen Jedi-Akademie über die Hochzeit von Luke Skywalker bis hin zur Invasion des Universum durch eine fremde Alienrasse – das Expanded Universe war gekommen um die Fanmassen zu retten.

Und die Fans lebten glücklich bis zu einem unheilvollen Tag: der 25.04.2014.

An diesem Tag verkündete Disney, der neue Besitzer der Star Wars-Rechte, dass das gesamte Expanded Universe tot ist und nur die ersten sechs Star Wars-Filme sowie die Clone Wars-Serie Kanon sind. Die restlichen Geschichten werden unter dem Namen Legends neu erscheinen – aber eben keine Rolle im Star Wars-Universum spielen.

Doch mit jeder Tür die zu geht, öffnet sich eine Neue: Disney kündigte eine komplett neue Trilogie an. Diese sollte aufräumen mit dem Storyballast, der sich über die Jahre angesammelt hatte und ein völlig neues Universum schaffen.

Angekündigt wurde Star Wars Episode 7 mit einem Regisseur, der bis dahin nur für das „Feindlager“ gearbeitet hatte: J. J. Abrams, Regisseur und Produzent bei Lost und eben auch dem Reboot von Star Trek. Was konnte dieser Mann schon von Star Wars wissen?

Wie sich herausstellte eine ganze Menge: Spätestens nach dem ersten Teaser-Trailer für Star Wars The Force Awakens waren die Fans begeistert von Abrams neuestem Werk.

https://www.youtube.com/watch?v=erLk59H86ww

J.J. Abrams macht Filme für Fans

Doch was macht die Abrams-Variante von Star Wars so spannend? Die Prequel-Trilogie hatte auch faszinierende Trailer und enttäuschte nachher durch schwache Dialoge und dünne Story. Warum sollte es mit Episode 7 anders laufen?

Aus einem ganz einfachen Grund: Der gesamte Abrams-Look erinnert an Fan-Filme – was besser nicht sein kann, wenn man Lucas „Vision“ der letzten Jahrzehnte dagegen stellt. Abrams ist selber Star Wars-Fan und hat deswegen eine Sache, die Lucas in seinen letzten Star Wars-Filmen verloren gegangen ist: Den Blick für das Wesentliche – was Star Wars wirklich ausmacht. J.J. Abrams scheint verstanden zu haben, was wollen. Lucas dagegen nur, was die Umsätze antreibt.

Auch wenn Abrams mit Disney im Hintergrund definitiv Personen sitzen hat, die wissen wie man Geld verdient (wir werfen mit dem inneren Augen kurz einen Blick in die aktuellen Ladenregale), schafft der Regisseur es das Star Wars-Universum unter einer anderen Blickwinkel zu betrachten.

Wo die Prequel-Trilogie einen aalglatten Blick auf das Universum der Jedi und Sith lieferte, schafft Abrams etwas, das vorher nur das Expanded Universe geschafft hat: Er geht mit dem Mikroskop an die Star Wars-Geschichte.

https://www.youtube.com/watch?v=rj8jWBig0bs

Mittendrin statt nur dabei: The Force Awakens geht ins Detail

In den ersten Teasern alleine sehen wir eine völlig neue Star Wars-Welt: Weit entfernt von glattpoliertem CGI zeigt Abrams das Universum, wie man es sonst nur aus dem Expanded Universe kennt: Dreckig, kaputt und mit einer Menge an liebevollen Charakteren.

Während uns die Original-Trilogie mit einem modernen Sci-Fi-Märchen beglückte, entwickelte Star Wars über die Jahre hinweg ein Eigenleben: Die Charaktere bekamen mehr und mehr Tiefe und die Welt in der die Geschichten spielten, wurde immer komplexer.

Der Ansatz der Prequel-Trilogie wirkte da wie ein Anachronismus: Heile Welt schaffen, Prinzessinen durch das Weltall kutschieren und ein kleiner Junge mit einer großen Zukunft. Alles schon da gewesen, alles schon einmal gehört, alles schon einmal gelesen.

Star Wars The Force Awakens könnte es tatsächlich schaffen, dass Star Wars-Universum völlig neu zu beleben. Charaktere wie Finn, Rey oder auch der gealterte Han Solo und sein bester Freund Chewbacca zeigen, dass die Aktionen in allen Trilogien Auswirkungen auf ihre gesamte Umwelt hatten und es sich in einem kriegszerstörten Universum nicht sehr schön lebt.

Und auch wenn eine solches Universum für die Hauptcharaktere von The Force Awakens nicht angenehm ist: Die Fans können sich mit The Force Awakens auf einen Film freuen, der von einem Fan für Fans gemacht worden ist.

https://www.youtube.com/watch?v=sGbxmsDFVnE


Was sagt ihr zu The Force Awakens? Freut ihr euch auf Abrams Vision von Star Wars oder werdet ihr sie meiden? Lasst es uns in den Kommentaren wissen oder haut uns bei Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram an!

(Header via polygon.com, Videos via YouTube.com)

Stay connected with COFFEE & GAMES

Follow COFFEE & GAMES on Twitter! 

Like COFFEE & GAMES on Facebook!

Give us a +1 COFFEE & GAMES on Google+!

Follow COFFEE & GAMES on Instagram!

jamie@coffeeandgames.net

Über den Autor

Jamie

1986 geboren. 1992 erste Konsole. Seitdem konstanter Level-Up. Schreibt über Gaming, Kino, Comics und TV-Serien im Bereich der Nerd- und Geek-Culture.

Kommentare (2)

  1. Sehr schöner Artikel! Weiter so. Bin eh schon völligst gehyped und denke, dass ich den Film mindestens 3x im Kino sehen werde – FALLS ich nicht nach dem ersten Mal enttäuscht aus dem Kinosaal schlurfen sollte (wie bei Episode I oder II)…Karten für den Premieren-Tag sind seit über einem Monat bestellt und ich bin gespannt wie’n Flitzebogen. Möge die Macht mit Abrams sein…

  2. Hey, danke für das Lob! Wir hier hoffen alle das Beste! Heute Abend geht es endlich ins Kino! 😀

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*